Schweiß. Alles klebt. Der dunkle Schleier liegt schwer auf Berlin und dennoch glänzt der ganze Himmel hell von Licht. Ich wälze mich von links nach rechts. Von rechts nach links. Mist, kein Schlaf wird kommen. So nicht und erst recht nicht so. Eine kurze Dusche? Kalt? Blöde Idee. Das bringt doch nichts. Dabei ist das nur die erste Etage. Die nackten Leiber der Übermieter müssen ja noch mehr schwitzen. Platschenden Fußes bewege ich mich mit schleifenden Schenkel Richtung Balkon. Meine Brust friert und die Warzen gleich mit, weil ein Windstoß mich fies von der Seite angefegt hat. So, wie mich meine Mutter einst in Empfang nahm, stehe ich nun dort und blicke hinab.

Alles ist träge. Selbst das dunkle Grün des Blätterwaldes vor mir wirkt noch schwerer. Einsam? Im Augenwinkel bemerke ich immer wieder ein rotes Glimmen. Der Protzstengel? Nein, vom Phallus weit entfernt – oder zumindest nicht angehörig. Ein junges Ding! Und nackt?! 0:30 Uhr und mein Geist macht schlapp. Ganz in diesem trügerischen Schutz stehle ich mich nicht davon. Sondern bleibe. Sie dreht und bückt sich von mir weg. Ein Schreck, aber nur kurz durchzuckt es mich und die Hitze ist fast verschwunden. Hat sie mich gesehen? Bleibe ich stehen? Kaum gedacht, bin ich schon wieder in meinem Bett. Der alte Kasten unter mir knarzt und keucht unter nicht minderer Last. Ich wische aufgeregt auf und ab. Schon wieder rinnen Schweißperlen. Wieder feucht. Tinder?

Wenn ich schon Sexkontakte in Berlin finden möchte, dann wenigstens nicht so einfach. Erst letzte Woche habe ich mich gemeldet und jetzt beim zweiten Mal bleibt mein Postfach gähnend leer. Dumme Idee? Keine Lust. Frust ist ein schlechter Begleiter. Meine Finger gleiten auf und ab, werden müder. Doch auf einmal dieses Glimmen. Ein roter Punkt und ich bin weg. „Ich stehe gerade, so wie Gott mich schuf, auf dem Balkon und warte schon. Auf mich? Was? Nein, dass kann doch nicht sein! „Was machst du so bei der Hitze?!“ Na, was wohl … ich bin spitze. Schlecht und doch ins Schwarze getroffen. „Wo pennst du denn? Oder versuchst es zumindest?“, frage ich zurück. Nach der Antwort, ist vor der Stille. Mein Geist ist mit einem Mal so wach wie ich es mir nie erträumt hätte. Ich springe fast zum Fenster und ein winkender Arm glimmt mich mit kleinem roten Licht an. Nicht zu fassen. Ich kann mich kaum halten. Wie die Lotsen sich auf Tegel so fühlen. Ein kühlen Gedanken will ich nicht mehr fassen. Rüberschweben oder verweilen. Kann mich nicht entscheiden.