Mein Herz schlägt immer schneller und ich halte es kaum noch aus. Soll ich aufhören? Soll ich es weiter tun? Meine Lust wird mehr und mehr zur Last. Schwer wiegt sie auf meinen Schultern und lässt mich meinen Halt fast verlieren. Mit zitternden Knien breche ich ab, höre auf und verlasse meine gebückte Haltung. Mein Gesicht ist so warm und mein Puls rast. Stopp!

Ein Abend wie jeder andere. Es ist Freitag, die Arbeit ist hinter sich gebracht und man möchte nur noch Heim. Entspannung am besten vor dem PC, wo das Licht des Bildschirms eine angenehme Barriere für jedwede Störung bildet. Ausreichend? Nur bedingt, wenn das lärmende Gerede des Wohnzimmerraumes sie nicht so einfach durchbräche. Wie die Pistole am Abzug klebt der Zeigefinger auf der linken Maustaste, um das zügig zu verbergen, was man als dritten Tab im Browserfenster geöffnet hat. Ungewohnt erregend?! Hin und wieder beobachte ich die Tür im linken Augenwinkel – nur um sicherzugehen. Ein bisschen Nervenkitzel und selbst wenn, was sollte passieren? Ein Geruchsgemisch von Wein, Sekt und weiblichem Odeur wabert bis an meine Barriere. Leider ist diese nicht impermeabel und lässt mich unfreiwillig ein Teil des Wohnzimmers werden. Wer ist nun wer? Ich starre den Bildschirm weiter gebannt an. Ohne mein Zutun wird es allerdings keine Veränderungen geben. Klick! Beinahe erschrocken blicke ich hoch von meinem zweiten, kleineren Bildschirm.

Jetzt wird es doch bald zu viel. Ich rutsche auf meinem Bürostuhl hin und her, bis ich abwechselnd mit meinem linken und rechten Oberschenkel gegen die Stuhllehnen pralle. Entscheidungen bei diesem Überfluss an Angeboten zu treffen, ist schwer. „Ruhig bleiben!“, hallt es in meinem Kopf, in dem es bis dahin dank der Kopfhörer verhältnismäßig still gewesen ist. Aber was nützen die schon, wenn es minütlich lauter zu werden scheint. Kopfschüttelnd stütze ich meinen linken Arm auf den Tisch. Fast in Resonanz zu meiner Bewegung schwillt das Gelächter der beiden an und ab. Es ist ja nicht so, dass ich hier etwas Wichtiges, gar Sinnvolles zu tun hätte. Ziellos klicke ich auf dem Desktop hin und her. Nein! Doch. Geschlossen. „Das kann doch nicht wahr sein!“ und ich schlage innerlich beide Hände über dem Kopf zusammen. Es wäre ja ein Leichtes, alles wiederherzustellen. „Keine Lust mehr.“ konstatiere ich und die Kopfhörer rutschen etwas unsanft und mit einem lauteren Schlag auf den Hocker neben mir. War das die Tür? Mist.

Ich verlasse meinen Platz, weil ich muss. Mein Klopfen wird zunächst nicht beantwortet. „Ja?“, schallt es mir plötzlich entgegen. Ich teile meinen Unwillen, länger warten zu müssen, mit und füge zynisch hinzu, dass mein persönliches Zeitkonto bereits fast übervoll ist. Ein Schatten huscht in diesem Augenblick im Halbdunkel an mir vorbei. Wieder riecht es nach angebrochenen Spirituosen. Jener Geruch vermischt sich allerdings mit einem aufdringlichen Hauch Vanille. Geschafft. „Wie lange mag diese Sitzung wohl noch dauern?“ Alleine starre ich in die Leere vor mir und sehe am Ende nur ein kleines, gebeugtes Licht. Es flackert immer wieder, wie die Kerze im Wind scheint es dann erlöschen zu wollen.

Meine Gedanken verfliegen schnell, unklar bleibt mein Blick und wie nach einem längeren Telefonat finde ich mich an einem anderen Ort wieder. An den Weg dorthin vermag ich mich nicht zu erinnern, ob nun gewollt oder nicht. Der Duft bleibt mir dennoch in der Nase, die Augen aber weiterhin betrübt. „Was ist denn los?“ Ein blinkendes Licht erscheint immer klarer in meinem rechten Augenwinkel. „Das Handy?“ Der Bildschirm ist erloschen. Die kleine LED tut ihren Dienst. Meine Arme verweigern ihn und kribbeln heftig. Schön abgesackt. „Schläfst der schon?. Er ist so ruhig!“, höre ich im Flüsterton, aber deutlich genug. „Noch immer zwei Stimmen?“ Ja. „Ich gehe ins Bett!“, rufe ich fast schon zu laut. „Ja-haa!“, schallt es mit gleichzeitigem Gekicher zurück. Gute Nacht und endlich wieder diese düstere Wärme.