Ein wehmütiges Lächeln umspielt meine Lippen und lässt mich schmunzeln. Leider begleitet von schweren Augenlidern, die meine Mundwinkel wieder unweigerlich herunterziehen. Zu traurig? Zu lange her. Wenn ich nun meine innersten Gefühle nach Außen kehren könnte, müsste ich lauthals in Gelächter ausbrechen. Es waren eigentlich immer nur Blondinen. Begehrenswert und banal zugleich. Nicht so, dass sie mir nur auf rein körperlicher Ebene gefallen haben. Dieses starke Gefühl rutscht nun von meinem Kopf direkt hinab in meinen Magen – und es fällt schwer.
Ich halte einen Moment inne und atme ein Mal tief durch. Meine rechte Hand gleitet fast schamhaft über mein Gesicht und fühlt wohl das, was die linke nicht mehr vermag. Vor mir leuchtet der Bildschirm und hinter mir die Straße, die mich immer wieder mit quietschenden Reifen und menschlichem Brabbeln aus den Gedanken reißt. Manchmal hoffe ich, dass eines dieser unbekannten Wesen mich am Rücken streift, auch wenn mich das zusammenzucken ließe.

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Ich gähne und schaudere dennoch kurz, auch weil ein süßlicher, warmer Duft in der Luft liegt. Ich spüre sie in meiner linken Hand – nur weniger schamhaft als lustvoll. Zumindest, was die Erinnerung an die vergangenen 2 Stunden betrifft. Ein kurzes Naserümpfen hilft da nicht wirklich. Sie umströmt mich, fängt mich erneut mit Ihrem Odeur. Meine Finger krallen sich in die Kante des Schreibtischs und meine Füße scheinen den Boden unter mir wegschieben zu wollen.

Wie ein Traum, in dem man nicht schneller rennen kann und ein scheinbar klebriges, feines Netz unter den Füßen ein weiteres Vorankommen erschwert. Sexspielzeug? Nun muss ich doch laut lachen und erschrecke mich fast, in Sorge, dass mich jemand gehört hat. Meine Augen irren dabei im Halbdunkel umher, was das Flimmern des Bildschirms verursacht hat. Wahrscheinlich ist es auch einfach die Müdigkeit und trotzdem breitet sich nun ein warmes, angenehmes Gefühl langsam kriechend, kribbelnd meine Beine aufwärts aus.

Eine Frau, die oberkörperfrei vor mir sitzt und irgendwie etwas gelangweilt den Kopf von links nach rechts wippen lässt. Viel zu hell. Verschwommen und nur zögernd wird das Bild schärfer. Ich erkenne noch nicht alles, möchte aber, dass sich die Wärme in meinem Schoß nicht allzu schnell verzieht. Erneut habe ich das Gefühl hängenzubleiben. Ihr gefällt das wohl … bestimmt! Sie wartet doch nur auf Ihre Belohnung! Und ich? Zumindest bekommt Sie sie (noch) nicht, was fast schon schade ist. All‘ die Arbeit umsonst, wie dicke, milchige Tränen in mein Taschentuch.

„Komm‘ schon Kleiner! Du willst doch noch mehr sehen. Lass uns Spaß haben!“ Dominant und bestimmend, schallt es in meinen Kopf. Unbestimmt ist allerdings mein Wille, ihr noch mehr von mir zu geben und ich hadere wiederum mit mir selbst.

Soll ich oder soll ich nicht? Was soll’s?! Das weiß ich nicht, da mein Kopf schon lange leer ist, wie die Schatten hinter mir. Interessant: Das Klackern von High Heels auf dem Asphalt und das Bild von ihr vor mir vermischen sich zu einer unmittelbaren, audiovisuellen Erfahrung.

Könnte Sie nicht so jetzt vor mir stehen und sich in Ihrer unnachahmlichen Gänze vor mir präsentieren?

Die Hand an meiner Maus streckt sich langsam nach vorne zum weißen Licht. So nah und doch so schier unerreichbar. „Egal“, denke ich mir und spiele in Gedanken mit. „Stehst du auf Sex Toys, Kleiner?“, schallt es erneut fast blechern an mein Ohr und klingt eher bestimmend als fragend.

Eine Wahl? Das Lilafarbene dort vielleicht. „Uh, dass mit den Hasenohren gefällt dir wohl!?“. „Joa“, antworte ich und bin doch wieder weg. Zu weit entfernt von ihr. Eine Weile leuchtet der Bildschirm noch vor mir, bis das kleine weiße Dreieck im rechten Augenwinkel rhythmisch blinkend, sich verdoppelt und verschwimmt.