Wieso nur? Wieso? Ich laufe im Hotelzimmer auf und ab und schlage meine beiden Hände flach, gleichzeitig vor meinen Kopf. Immer und immer wieder. Als würde ich versuchen eine Maske abzustreifen. Sie dehnt sich nur ein bisschen und bleibt hängen. Ach wäre ich doch so mutig gewesen und hätte gefragt. Warum nur? Warum?

Dieses Spiel geht einige Zeit so weiter. In der Ferne sehe ich die roten Lichter des Fernsehturms, die mehr und mehr zu einem roten Faden verschwimmen. Selbigen hatte ich wohl zuvor am Dinner-Tisch verloren. Alles war perfekt. Der laue Wind auf dem Alexanderplatz und die rötlich schimmernde, untergehende Sommerabendsonne ließen sie noch mehr in meinen Augen aufleuchten, als sie es so oder so schon tat.

Liebe? Vernarrtheit für den Moment des Augenblicks und im Angesicht der Hoffnung, dass es heute Abend ein glückliches Ende nimmt. Wenn ich uns nun so sehe, vergesse ich sehr schnell die Gasse, in der für mich noch immer mein jugendliches Stöhnen hinter einer backsteinernen Hausecke hervorhallt. Unangenehm und verrucht zugleich. Gerne würde ich diese Erinnerung einmauern, doch ich verdränge sie lieber durch eine neue, aufregende und noch bevorstehende Erfahrung.

Ein bisschen ist es wie ein Blind-Date im Negativ betrachtet – alle wichtigen Informationen und unsere gegenseitige Absprache sind zuvor ersichtlich und klar gewesen. Doch eins ist offenkundig: Selbst wenn man alle Puzzleteile kennt, wird man niemals zuvor das ganze Bild erkennen. Lasse ich mich auf ihr Spiel ein? Wie gut sie es doch kann. Das Schachspiel ist mir fremd, doch so stelle ich es mir vor: ich bin der Läufer der gegenüberliegenden Seite, sie die Königin auf der anderen und egal wie viele andere Spielfiguren zwischen uns liegen, ich kann sie stets aus der Ferne erkennen.

Sophie_GMEscortsMein nächster Zug? „Entschuldigung, junger Mann, wie wäre es, wenn wir uns hier ein wenig ausruhen?“ Ich spüre ihre Finger zart, aber bedacht über meine rechte Hand streifen … und dann noch dieser Duft. Ich schwebe von einer Wolke auf die nächste. „Appetit hätte ich schon etwas.“ Entgegnete ich und blickte noch einmal tief in ihre rehbraunen Augen dabei.

Sie hatte wohl meine Träumerei bemerkt und blitzte mir ein Lächeln entgegen. Das war genug.  Es sollte nicht länger so sein. „Wie gefällt dir dein Job eigentlich so?“, plötzlich sprang mir diese Frage aus dem Mund und ich fühlte, wie ich im selben Augenblick wie die Sonne kurz vor dem Untergang stand.

Erst denken, dann reden, denke ich noch bei mir. Zu spät. „Verzeihung, dass war wohl doch etwas unangebracht!“, entgegne ich einmal und in mir hallt es wie ein hundertfaches Echo nach. „Keine Sorge, du bist nicht der Erste, der das fragt und bestimmt nicht der Letzte. Es lässt sich gut leben und ich habe meinen Spaß.“ Ihr kurzes Lachen ist anders und ehrlich. Sie gehört nicht zu den Mädchen Berlins, die den Escort-Beruf illusorisch wahrnehmen und nicht an später denken. „Vielleicht ganz spießig mit großem Garten und auf jeden Fall weit hinter Marzahn.“, fügt sie hinzu. Sie lacht wieder. Ehrlich, aber dieses Mal mit einem bestimmten Blick, als wäre sie sofort bereit dazu.

Mittlerweile haben wir unser Cocktailgläser geleert. Sie spielt dennoch weiter mit ihrem und lässt es auf dem Tisch taumeln. Ihren Kopf hat sie zur Seite geneigt, sie lächelt unentwegt und ihre linke Hand streichelt die meine. Sie möchte gehen, dass spüre ich. „Hast du Lust zu tanzen?“ Ich entgegne: „Nein, dass möchte ich dir nicht antun.“ und ich lache in viel zu hoher Stimme auf. „Pourquoi tu ne veux pas danser, mon cheri? La nuit est jeune!“ Oh, wie gerne hätte ich sie in diesem Moment einfach auf der Straße vernascht. Noi, ich bin müd‘, lass uns ins Hotel gehen. Fast bockig verschränkt sie die Arme vor der Brust, muss aber erneut lachen.

Sie wirft mir vor, absichtlich in meinem süddeutschen Dialekt geantwortet zu haben, obwohl ich ihr zuvor noch etwas auf Französisch geantwortet habe. Ich habe entgegnet, dass wir das lieber auf nachher verschieben. Ihr Augen leuchteten groß auf und sie drehte sich von mir weg. Eilig schloss ich zu ihr auf, auch um den Gedanken daran nicht zu verlieren – Goldmember Escorts. Gut erinnere ich mich noch an den Zwiespalt, zwischen der Möglichkeit anzurufen oder eine E-Mail zu schreiben?! Ich entschied mich dann doch für die letzte Option. Danach ging es schnell und reibungslos. So, wie man es sich wünscht. Und nun sitze ich hier auf dem Hotelbett.

Neben mir diese junge, attraktive Frau. Ich sehe noch, wie sie sacht ihr Abendkleid über ihre Schultern streift. Küsse auf meine Haut. Ihre Zunge gleitet meinen Nacken auf und ab. Leise stöhne ich und bekomme am ganzen Körper Gänsehaut. Wie sehr ich diese Gefühl vermisst habe. Mehr! Bitte, mehr. Sie dreht mich zu sich und umschließt mit ihren vollen Lippen meinen Mund. Immer wieder haucht sie einen Kuss nach dem anderen auf mich. Jetzt greife ich nach ihrer Hüfte und hole sie noch näher zu mir. Auch sie stöhnt kurz auf und verlangt nun nach mehr. Ich spüre wie es in mir wächst und mich nach vorne – zu ihr – treibt.

Sie beißt mich und ihre Küsse fallen wie dicke Regentropfen auf mich nieder. Im Augenwinkel sehe ich, wie es plötzlich blitzt und mein Blick fällt erneut auf den roten Faden. Jetzt weiß ich es wieder. Ich bitte sie zu gehen und versichere ihr, dass es so am besten ist und danke ihr für den wunderbaren Abend in Berlin.