Es ist schon spät. Mein Blick wandert immer wieder auf das spiegelnde Display meines Handys. Die Fingerabdrücke von der letzten Benutzung würden meinen Blick trüben, nur habe ich gerade keine Lust Licht ins Dunkel zu bringen. In der Ferne glimmt ein rotes Licht auf. Qualm steigt an seiner Spitze auf und brennt in meinem linken Auge. Mein Blick verschwimmt und ich erinnere mich an Ihre warme Haut. Noch immer ist mir so, als läge ihre Hand in meinem Nacken und ihr Zeigefinger umkreise meinen Haaransatz. Blaße Erinnerungen vergangener Tage. Manchmal denke ich, dass sie noch hier ist. Ich drehe mich um, sehe einen Schatten. Ich schließe wieder die Augen und erinnere mich an ihren Duft.

Tief atme ich ein und schwer aus. Soll ich sie anrufen? Mein Verlangen wächst und Unruhe steigt in mir auf. Nein! Ich zwinge mich diesen Gedanken abzulegen, wie den Umhang der Lust der mich nun umfängt. Das geht nur leider nicht so einfach. Der Gedanke sitzt zu tief und war eigentlich schon längst geboren. Ich lache auf einmal – auch wenn es eher ironisch ist. Mir kam gerade das Gespräch von letzter Woche in den Sinn. Wer war sie nur? Ein Freund hatte mich darauf aufmerksam gemacht – mobile Telefonerotik – wie entgeistert ich ihn doch damals angesehen habe.

So ein Quatsch dachte ich bei mir, als ob ich so etwas nötig hätte. Er zeigte mir auf seinem Smartphone gleich noch die dazugehörige Seite und beschwor, dass das Ganze ja jetzt nicht mehr über die 0900-Vorwahl laufe. Ich winkte ab und brachte ihn vom Thema ab, indem ich zustimmte, es mir einmal anzusehen. In Whatsapp habe ich nach seinem Verschwinden die Nachrichten gelesen: hier die Seite, probier es doch mal aus, kannst auch einfach mal nur mit denen reden … alles andere kommt von selbst :)! Ja genau, am besten stöhnen wir uns gemeinsam in den Schlaf. Wiederum musste ich lachen. Dieses Mal verschwand es allerdings schneller.

Ich durchsuchte meine Kontaktliste und fand eine mir sonst fremde Nummer wieder. Ich verblieb in Gedanken. Ihren Namen habe ich vergessen. Sie beschrieb mir wie sie aussah und ich hörte einfach zu. Ich schloss die Augen und antwortete fast schon stumpfsinnig auf Ihre Fragen: „Wie geht es dir? Naja gut. Was hast du heute Schönes unternommen? Arbeiten und dann eigentlich nix. Wie kann ich dir helfen? Stehst du auf Dirty Talk? … !? Ich wollte eigentlich auflegen und mein Finger war zum Abschuss bereit. Doch dann spürte ich wieder die sanfte Berührung der Handfläche in meinem Nacken. Von da an ließ ich den Worten freien Lauf. War das so eine gute Idee?

Selbst jetzt bin ich mir noch nicht wirklich sicher, aber es war schön, eine Stimme zu hören. Klang sie doch gar nicht so fremd. Wahllos klicke ich durch die Chatprotokolle auf meinem Handy und schließe dann das Programm. In Gedanken versunken durchstreife ich noch weitere Apps und versuche mich abzulenken. Ich gelange an einen Punkt der Langeweile und gerade will ich sämtliche andere laufende Programme beenden, erkenne ich die Anrufliste wieder. Ganz unten in der Liste sehe ich sie. Die Worte der vergangenen Nacht sind nun nicht mehr so weit weg.