Gebunden an eigene Bedürfnisse

In Zeiten bärtiger ESC-GewinnerInnen und der daraufhin einsetzenden verwirrenden Euphoriewelle, sollen die Wogen gar nicht erst geglättet werden. Ein bisschen Schaukeln und Schwingen ist doch nicht so verkehrt. Fast wie das Schilfrohr im Wind, nur mehr gebunden an die eigenen Bedürfnisse und das nicht zu leicht.

Man möchte doch nicht den Halt verlieren in derart fesselnden Zeiten, zwischen fernem Kriegsgeschrei und stimmennehmender Europawahl. Doch genug gebunden, wenden wir uns eher verstrickten Situationen vor  der eigenen Tür zu. Phrasenschwein, wie voll du doch nun schon sein musst.

Bondage als Raison d’Être

Gemeint ist hier das mir nahezu völlige fremde Feld des Bondage. Gehört, gelesen und gerätselt habe ich ja schon länger darüber. Oftmals ist diese Form der Auslebung sexueller Fantasien an mir vorbeigeflogen, wie so manch‘ andere Kuriosität aus dem Reich von Erotik und Sex. Ich dachte sogar bisher, dass es nur sogenannte „Comicons“ gibt – also Messen für Menschen, die ihre Filmhelden gerne im „wahren Leben“ betrachten und sich mit ihnen austauschen möchten.

Das ist mittlerweile ein Riesengeschäft. Es ist natürlich Quatsch. Es gibt allerhand „Conventions“ zu diversen Themen. So auch zum Thema „Bondage“, dass in den letzten Jahren an immer mehr Beliebtheit gewonnen hat und wie ich feststellen konnte, sogar vermehrt in sämtlichen Medien zu finden ist.

Früher noch als Randgruppe in den hinteren Ecken dex Erotikshops postiert, rücken Kleidung, Ausrüstung und allerhand Zubehör in den Vordergrund. An diesem Wochenende findet zum Thema „Bondage“ die Boundcon XI European Fetish Convention in München im Zenith statt. Wer möchte, kann sich bereits einen ersten Eindruck darüber im folgenden Video verschaffen.

Bondage – Kunst die immer mehr fesselt

Eins muss man dieser Praktik lassen: Der Aufwand wirkt bei einigen Fesselungen recht hoch und bedarf bestimmt einiges an Geschick desjenigen, der diese Kunst ausübt. Generell wirkt es für mich, gerade wenn keine sexuelle Handlung im Spiel ist, wie die Darstellung eine Kunstobjektes. Ja, fast wie ein Happening. Aufgestellt, gefesselt und bestaunt. Das das sicherlich nur die halbe Wahrheit ist, zweifle ich gar nicht an.

Der große Reiz besteht für mich persönlich an der Situation, in der sich die gefesselte Person befindet und die zwangsläufige Macht, die dadurch der Fessler erhält. Ich kann mir gut vorstellen, dass schon die kleinsten, sachtesten Berührungen mehr Wirkung erzielen, als wenn der oder die gefesselte Person frei wäre. Fast wie ein bisschen gezwungene Freiheit, in der man sich in die Fesseln fallen lässt, die einem dann trotzdem Halt bieten.

Leuten, die diese Praktik als pervers, abartig oder unnormal verschreien, sind wohl selbst am meisten innerlich gefesselt.