Mr. Right, Mrs. X oder welches Pseudonym man auch immer verwenden mag, für die Auszeichnung des Menschen, den man sich als seine Idealvorstellung ausmalt. Ideale schön und gut – aber ob sich hinter einem Bildchen gleich die Traumfrau oder der Traummann verbirgt, ist eine andere Frage. Natürlich bietet das Internet uns eine umfassende Plattform uns ohne Furcht, fast schon unbeschränkt, durch tausende von Webseiten zu bewegen. Ein Klick, eine Anmeldung und eine Bestätigung über das private Postfach. Schon ist man ein Teil der „Großen Gemeinschaft“ und kann sich in dieser je nach Belieben austauschen und unter Berücksichtigung der Netiquette (ein klar definierter Verhaltenskodex, was Wörter und Schreibstil betrifft) bewegen.

Vor ein paar Jahren habe auch ich den Schritt gewagt, mich auf so einer Plattform anzumelden. Auf der Suche nach einer Person, die sich vielleicht für mich begeistern kann, schlug ich mir schon einmal die eine oder andere Nacht um die Ohren. Gezielt suchte man in Chaträumen nach – in meinem Fall – Damen, die sich am besten in das persönliche Idealbild einfügten. Wenn Lust und Mut gleichermaßen ausgeprägt waren, wechselte man in einen seperaten Chat und tauschte sich aus – online Dating sozusagen.

Natürlich beschnupperte man sich auch hier anfangs. Gedanken zum Chat, persönliche Erinnerungen und Erfahrungen wurden eifrig mitgeteilt. Die Hoffnung, dass daraus mehr werden könnte, war stets allgegenwärtig. Selbst wenn man schon einen ersten Eindruck über Profilbilder, sofern vorhanden, gewinnen konnte, blieb dennoch ein gewisser Reiz im Unbekannten. Wer weiß, wer sich wirklich hinter dieser Person versteckt und welche Absichten diese verfolgt?

Noch reizvoller wird es, wenn man sich aktiv nach Menschen auf die Suche macht, die Sexkontakte online finden wollen. Dieser Tage fällt in diesem Zusammenhang oft der Begriff ‚Escort‚. Mittlerweile gibt es ja ein Meer an Seiten, die mit einer kostenlosen Anmeldung werben und schnelle, einfache Kontaktaufnahme versprechen. Anschließend kann man sich auf die Schar der Damen stürzen, Kontakt via Chat, Telefon, Webcam oder, auf die altmodische Art und Weise, per Brief aufnehmen. Das erinnert mich daran, wie ich meiner Freundin, dass erste Mal geschrieben habe – kein Internet – nur Papier und Stift. Aber ich schweife ab.

Begleitagentur … da fand mein Gedanke ein Ende. Das klingt schon sehr förmlich und irgendwie so gar nicht nach Spass. Doch wie so oft, sollte man sich nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen, selbst wenn es Vertreter unserer Art gibt, die das Gegenteil behaupten. Nicht immer geht es nur um Sex – selbst wenn dieses Wort, wenn es nicht den Schlüsseltrieb unseres Daseins bildet, schon allzu selbstverständlich in unserem Alltag geworden und von Erotik schon fast keine Rede mehr ist.

Ob nun Mann oder Frau, manchmal wünscht man sich einfach nur, dass man auf der Party, beim Abendessen oder Einschlafen vor dem Fernseher nicht alleine ist. Wer sagt denn, dass man nicht sein Glück oder ein bisschen Spass auf der Datenautobahn finden kann. Auf der Überholspur des Lebens sind wir sowieso schon so lange, dass es hin und wieder Zeit ist, einen Gang zurückzuschalten und sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu besinnen.

Jedes Mal, wenn ich an einem Laufhaus vorbeikomme, versteckt guckende Männer und liebäugelnde Damen entdecke, denke ich bei mir, dass es auch nur ein weiterer Tag, eine weitere Herausforderung ist. Egal, was wir tun oder was wir für richtig halten, wir müssen uns der „Aufgabe Leben“ stellen und dürfen Sie nicht einfach so abtun und auf den letzten Tag verschieben.

Sinnliche Begleitung I
Sinnliche Begleitung II