Lutschen mit Herz - Süßsauer?! Rike / pixelio.de

Seit etwas mehr als einer Woche hält uns nun schon der bereits vielfach betitelte Eiswinter fest und lässt bei den ein oder anderen Zeitgenossen mehr oder weniger wichtige Funktionen einfrieren. Im Fokus als meist gehasstes Opfer der Kälte: Die eigenen zehn Finger oder die der Mitmenschen.

Da fallen einem leidlich die einfachsten Dinge schwer, vorausgesetzt, der Arbeitsplatz heißt nicht gerade Büro – es sei denn, die hiesige Heizung besäße die Freichheit auszufallen. Gar nicht zu denken an den abendlichen Einsatz des einarmigen Banditen vor seiner Flimmerkiste, wenn er beispielsweise frisch vom Einkauf kommt und ihm die großbusige Kassiererin doch mehr eingeheizt hat als die versprochenen, tief gesenkten Angebote.

Kaufen sie drei und zahlen sie vier: Solange wenigstens nur die Finger wieder warm sind. Den Damen geht es da übrigens nicht viel besser, leiden sie doch laut allgemein-medizinischer Meinung und böswilliger genetischer Benachteiligung unter mangelhafter Kälteresistenz. Selbst wenn das im Kern richtig sein mag: Es gibt kein falsches Wetter, sondern nur die falsche Kleidung! Wenn man allerdings schon im Spätsommer wie ein geschwängertes Michelinmännchen rumläuft, darf man sich nicht über mangelnde Anpassungsfähigkeit beklagen.

F(r)appieren statt frieren! Warum eigentlich die eigenen Hände benutzen, wenn man jemanden dazu abstellen kann?! Da wird einem doch gleich warm um’s Herz, dass einem in die unteren Etage gerutscht ist. Damit zuvor natürlich nichts dort unten abfriert – mindestens ebenso amüsant wie Rollis für ausreichend bepelzte Fußhupen – wolligwarm in eine selbstgestrickte Mütze einpacken oder eben ein Doppelhöschen.

Wie winterlich. Natürlich soll das hier kein andauerndes Rückpassspiel werden. Es muss auch einmal im gegnerischen Strafraum agiert und penetriert werden. Die Beine werden so schön warm, auch wenn statt einem, zwei, nein sogar vier Bälle auf dem Platz mit einem Mal sind. Da weiß ja gar keiner mehr, was er zuerst nehmen soll. Kalt sind mindestens zwei davon, egal, ob die beiden anderen aus der Umkleide kommen oder nicht.

Tja und dann geht das Gezanke los. Welches Spielgerät hat nun das Vorrecht? Da hilft auch kein Schiedsrichter! Bloß nicht die Freunde oder gar die eigene Mutter um Beistand bitten – es sei denn man möchte sich als künftiger Amateurstar verdienen! Obowhl, ein klärendes Gespräch hilft bekanntlich immer. Richtige Worte zu finden, ist aber mindestens so einfach, wie den G-Punkt der Frau. Beim Mann gibt es den übrings auch, bloß dann befürchtet er selbst, er habe bereits das Ufer gewechselt, wenn er nicht schon zuvor in seichten Gewässern unterwegs war.

Auf zu neuen Ufern ist ein gutes Stichwort! Weg von alten, beschränkten Vorstellungen. Auf zu einem offenen, lustvollen Geist, der nicht vor neuen, atemberaubenden Techniken zurückschreckt. Da kann jede Zunge noch etwas lernen und man muss sich nicht unbedingt in den Top-Ten der Zeitung des kleinen Mannes belesen und kleinliche Kommentare zur positiven Bekräftigung ejakulativ versprühen.

Nicht nur aufgrund der Kälte könnte dort etwas zu schrumpfen beginnen, wo man ja ohnehin, gefühlt, zu wenig hat. Die einzige, und wohl auch sichere Hoffnung, die man berechtigterweise haben darf: Die Kälte und der Winter werden weichen, zurück bleiben nur erfrorene Gedankenleichen.