Günter Hommes | pixelio.de

Samstagmorgen. Regentropfen streichen in kreuzenden Bahnen die Fensterscheibe hinab. Ich höre nur ein leichtes Prasseln auf der Fensterbank. Verwaschen ist mein Blick und er fällt dabei immer wieder auf das grelle Licht des Flatscreens zu meiner Rechten. Noch verschwommen erscheinen die kleinen roten Buchstaben.

Ein Schluck Ginger Ale und fast kann ich sie erkennen. Escort Berlin. Ich kneife beide Augenbrauen zusammen und versuche mich meines ersten Eindrucks zu vergewissern. Escort? Wie bin ich da denn gelandet? Wahrscheinlich ein Pop-up beim letzten Besuch meiner Lieblingsseite. Die ganze Nacht hat der Kasten gedudelt und ich musste natürlich wieder einschlafen.

Mein Interesse wird mehr und mehr von den Mädels in den verschiedensten Dessous geweckt. Zuerst aufrichten. Langsam erwachend fangen nun auch die kleinen grauen Zellen an zu rattern. Nicht, dass ich da gestern noch irgendwo angerufen habe!? Ein prüfender Blick nach links auf den Wohnzimmertisch – der Jacky ist noch jungfräulich unberührt.

Schade. Eigentlich hätte ich ja gerne eine nette Begleitung bei mir gehabt. Vielleicht sogar den Flachmann dagegen eingetauscht. Ein großes Gähnen durchdringt das kleine Single-Apartment und erneut verschwimmen die Frauenfiguren. Mit der Tastatur in den Händen klicke ich mich fleißig durch die Vorschaubilder. In meinem Kopf hat jetzt allerdings schon ein Kampf begonnen.

Gesäter Samen der Lust und Abstand halten von der leichten Beute rollen in Schüben immer wieder aufeinander in meinem Kopf. Mein Herz pocht und die Sehnsucht wächst. So etwas macht doch keiner! – Warum sollte man sich nicht einmal eine sexy Begleitung organisieren? – Für so etwas Geld zum Fenster rausschmeißen, wo ich es doch viel billiger haben könnte! – Eine Frau, die sich mir hingibt und mir ein paar Stunden im gegenseitigen Einvernehmen versüsst, kann doch nicht so verkehrt sein, oder?!

In der einen Hand die Maus und in der anderen das Handy bereit. Modelagentur Berlin lese ich noch überfliegend beim Weiterklicken. Ich bin aber zu abgelenkt, als dass ich mich auf Details konzentrieren möchte. Das zuvor nur leichte Prasseln der Tropfen ist nun verstummt und die ersten Sonnestrahlen des Tages brechen durch die wehrhafte Wolkendecke. Bleibt abzuwarten, wofür sich mein Herz erwärmen wird.