So kompliziert wie der Titel klingt, so begrenzt war auch der rechtsstaatliche Charakter einer Statute aus dem Jahr 1805 in Louisiana, USA. Zum Glück hat das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch hier wieder einmal das Gegenteil bewiesen und Oral-, sowie Analsex überraschend entkriminalisiert. Ab August 2011 besteht das archaische Gesetz nicht mehr.

Ihr habt schon richtig gelesen! Hintergrund der ganzen Sache ist ein altes, vorbundesstaatliches Gesetz, welches vornehmlich weibliche, afroamerikanische Prostituierte, Homosexuelle und Transsexuelle vorverurteilte und erheblich zur Verschlechterung ihrer sozialen Stellung beitrug. Die Betroffenen, die für „schuldig“ bekannt wurden, mussten fortan, so unglaublich es auch klingen mag, in all ihren Ausweispapieren den Stempel „Sittlichkeitsverbrecher“ mit sich führen. Die Analogie, die sich mir da im Kopf auftut, ist mindestens genauso verwerflich und archaisch, wie dieses nun endlich ab August begrabene Gesetz. Zwar gab es zuvor im Jahre 2003 schon einen zarten Versuch, allerdings mündete jener nur in der Festellung, dass heimischer, einvernehmlicher Sex, und damit auch Oral- bzw. Analssex, unantastbar sei.

Eine eher scheinheilige Festellung und in keinem Maße förderlich für die schlechte Situation der Prostituierten und „Sexworker“ in Louisiana. Ab August 2011 werden die „Verbrechen gegen die Natur“ (anti-nature crimes) vom Status eines schweren Verbrechens in den Stand einer Ordnungswidrigkeit herabgesetzt.

Was heißt das konkret? Wenn jemand für einen Blowjob oder Analsex eine Prostituierte bezahlt, muss er sich einer Haftstrafe von 6 Monaten stellen und maximal 500 Dollar bezahlen. Der Stempel „Sittlichkeitsverbrecher“ wird von da ab, erst nach dem zweiten Vergehen aufgedrückt. Das lässt einen als Europäer trotzdem noch ziemlich unbefriedigend und verdutzt zurück. Hierzulande ein Ding der Undenkbarkeit. Noch viel schlimmer ist allerdings, dass dieses Gesetz jahre-, wenn nicht jahrzehntelang von den Ordnungshütern, den Vertretern des Rechts, schamlos ausgenutzt wurde.

So heißt es in einem Youtube-Bericht von RTAmerica zu dieser Thematik: Die Polizei hat offenkundig das Gesetz für sich ohne Rücksicht ausgenutzt, um kostenlos an Sex zu kommen. Wer von den Sexworkern nicht pariert hat, wurde entweder gleich festgenommen oder sogar Schlimmeres. Wer von ihnen dann bereits abgestempelt worden ist, findet nur noch schwerlich einen Weg zurück in die „normale“ Gesellschaft. Immerhin weist diese Gesetzesänderung in die richtige Richtung. Man kann nur hoffen, dass auch die letzten Bastionen der unsinngen Sexgesetze eingerissen werden und die legalen Diskrimierungen von einvernehmlichem Sex, welcher Art auch immer, ein Ende finden.

Küssen verboten!

Land der „unbegrenzten“ Möglichkeiten