Rammstein auf dem Index! Aufmerksame Zuhörer, Leser und Social-Media-Anhänger werden es mit Sicherheit schon vernommen haben. Wer das Album „Liebe ist für alle da“ künftig erwerben möchte, bekommt es nur noch an der Kasse, wie seiner Zeit die Flasche mit dem harten Stoff. Vielleicht etwas peinlich berührt, verlässt man dann den Laden, als ob man sich einen Hardcore-Streifen gekauft hätte. Sowas muss nicht sein. Was für eine Posse der Verantworlichen ist das eigentlich? In meinen Hinterkopf schallen noch immer dumpf manche Text- zeilen, denen es an Härte und Gewaltinhalt nicht mangelt. Aber da bleiben die Klingeln der Zensur stumm. Allenfalls ein „Explicit Content“-Warnhinweis ist auf den dünnen Hüllen zu finden. Warum nicht auch diese Lösung bei der neuen Rammstein-CD?rammstein-liebe-ist-fuer-alle-da
Wer sich einmal mit Rammstein auseinander gesetzt hat, oder auch nur einmal mehr auf den Text beim Hören geachtet hat, wird feststellen, dass die Jungs um Till Lindemann sich nicht einfach platter Vorurteile oder Phrasen bedienen. Jeder Song für sich erzählt eine kleine Geschichte und setzt sich, am Beispiel von „Wiener Blut“, basierend auf dem Kriminalfall von Amstetten, mit gesellschaft- lichen Extremen auseinander. Ausgeklügeltes Marketing oder einfach nur Verballhornung der Instanz?! Wer der Meinung ist, dass Songs wie „Pussy“ oder „Liebe ist für alle da“ jugendgefährdend sind, sollte am besten TV und PC aus dem Fenster werfen. Die einzigen, die sich nicht beschweren werden, sind derzeit auf Platz 1 der deutschen Single-Charts und mit ihrem 8. Album auf Platz 13 – und das, in den sonst so prüden USA! Die gewünschte Aufmerksamkeit ist also da!? Der Spiegel schreibt hierzu eine wahrlich schöne Kolumne und lässt kein Auge trocken, was den schmalen Grat der Zensur betrifft.