Wir haben vor einiger Zeit bereits von den derzeitigen Problemen der Porno-Industrie berichtet. Es konsumieren zwar immer mehr Menschen harte Sexfilme, jedoch profitiert die Pornofilmbranche nicht davon. „Schuld“ daran sind u.A. auch Internetseiten wie Youporn, welches seit 2007 zu den meistbesuchten Internetportalen gehört und sich Ende 2008 sogar auf Platz 40 vorschob. Dort kann alles gezeigt und gesehen werden, was mit Sex und Pornografie zu tun hat. Meist nach dem Geschmack der männlichen Zuschauer.
Allerdings erobert langsam aber sicher eine weitere Nische der Pornofilme die Menschheit: Pornos extra für Frauen! Endlich der Weg aus der Krise?
Die Cosmopolitan – eine garantiert auf Frauen ausgelegte Zeitschrift – hat sich dem neuen Trend geöffnet und einen Bericht über Frauenpornos gebracht. Wir haben für euch die wichtigsten Eckdaten zusammengefasst:
Was törnt Frauen an üblichen Pornos eigentlich ab? Wieso kann der Markt nicht für beide Geschlechter gleichermaßen genutzt werden? Eigentlich genau das, was man vermutet: Die Darsteller sind selten schlecht (nicht im Bett, aber in den Dialogen!), die Umgebung ist billig, in typischen Pornos existiert soetwas wie eine Geschichte überhaupt nicht. Das mag für Männer nicht besonders wichtig sein, meist dienen Pornos dazu, sich entsprechend anzuheizen oder eine Vorlage zum Masturbieren zu bekommen. Im weiblichen Kopf jedoch spielt die Fantasie eine sehr große Rolle. Die meisten Frauen benötigen zumindest einen kleinen Handlungsstrang, an dem sie sich orientieren können. Frauen brauchen Charakterentwicklung, um das Gegenüber oder den Darsteller attraktiv zu finden. Es reicht nicht, wenn der pornöse Kerl ein paar Haare auf der Brust hat und die vollbusige Blondine zwischen Tür und Angel mal schnell von hinten nimmt. Da mag es vielleicht in der Männerhose kitzeln, aber nicht im weiblichen Lustzentrum, nämlich dem Kopf. Hier ist also enormer Handlungsbedarf nötig und hier versteckt sich auch ein riesiges Potential.
Das Geschäft der Autorinnenpornos fängt derzeit an zu boomen.
Dies bestätigt auch Professor Jakob Pastötter, Präsident der DGSS: „Frauen haben ein starkes Potenzial zum Tabubruch, damit können sie jetzt punkten.“ Gab es vor einigen Jahren nur wenige Frauenpornos, wird es nun endlich soetwas wie eine Auswahl geben!
Als Beispiel möchten wir hier „All about Anna“ nennen, eine erotische Komödie mit pornografischen Szenen in Spielfilmlänge. Oder auch Petra Joy, sie schneidet zur Zeit eine Compilation der besten Frauenpornos zusammen. „Her Porn“ ist eine wirklich sehr bunte Mischung erotischer Geschichten und Bilder. Und grade weil sich diese Marktnische wirklich zu lohnen scheint, organisiert Laura Méritt, eine der erfolgreichsten ‚Sextoys just for Women’ Verkäuferinnen (www.sexklusivitaeten.net), die „erste feministische Porno-Preisverleihung“ in Berlin. Der „Porn Award“, eine stilisierte Auster, wird am 18. Oktober vergeben.
Was sind die größten Unterschiede, zwischen normalen Pornos, und Frauenpornos? Eines der wichtigsten Kriterien sind die ethischen Arbeitsbedingungen. Bei Petra Joy lernen sich alle Darsteller vorher kennen, denn die Chemie muss stimmen. Frauen spüren, wenn Leidenschaft überhaupt nichts Echtes an sich hat, dem soll so vorgebeugt werden. Weiterhin legen die meisten der neuen Frauenpornos Wert darauf, ausschließlich Safer-Sex zu zeigen. Und der wohl wichtigste Unterschied ist: Der männliche Höhepunkt ist nicht auch gleich der Höhepunkt des Films, es werden endlich auch weibliche Sexfantasien ausführlich gezeigt, und diese finden nicht auf dem kalten Dielenboden mit einem blutroten Spitzennegligée und aufgeschürften Knien statt. Aber noch wichtiger ist die emanzipatorische Message: „Als weiblicher Regisseur bringe ich meine eigenen Fantasien mit all ihren kleinen, heißen Details auf die Leinwand, das gibt mir die Macht, meine Sexualität auszudrücken“, sagt Jennifer Lyon Bell. In ihrem Film „Matinée“ kommt die Hauptdarstellerin nicht durch den Geschlechtsverkehr, sondern durch Finger zum Orgasmus: „Viele Frauen fanden das sexy, weil es ihnen so vertraut ist.“
Auch die Unterschiede in Handlung und Handlungsstrang sind enorm. Bei Frauenpornos geht es nicht um den schnellen Kick bzw. Fick (pardon, das Wortspiel musste sein 😉 ). Es geht wirklich darum, einen guten Spielfilm mit pornografischen Elementen zu verknüpfen, und zwar so, dass die pornografischen Szenen nicht überhand gewinnen. Erika Lust, die in Spanien „erotische Filme mit expliziten Szenen“ dreht, legt außerdem Wert darauf, dass diese auch den ästhetischen Ansprüchen der MTV-Generation genügen.
Zudem sollen ihre Sexfilme nicht ausschließlich Frauen, sondern genauso Paaren gefallen. Damit liegt die Regisseurin voll im Trend: Die große Sexstudie der DGSS ergab, dass die zehn Prozent der Frauen, die als Intensivnutzerinnen wöchentlich oder sogar täglich Pornos konsumieren, überwiegend mit dem Partner zusammen gucken.
„Frauen werden sich niemals als einsame Onanisten durch Videos oder das Internet zappen, auf der Suche nach dem schnellen sexuellen Kick“, meint Experte Jakob Pastötter. Für YouPorn sind wir zu anspruchsvoll, genauso wie für klassische Männerpornos.
Abschließend kann man nur sagen: Ich freu mich drauf!