Der Kampf um die Existenzberechtigung von Flatrat-Bordellen geht in die nächste Runde. Bereits am Montag erschien die Pressemitteilung „Schluss mit dem Kesseltreiben“ – Flatrate-Prostituierte gehen an die Öffentlichkeit auf der Homepage des Dona Carmen e.V. – ein Verein für soziale und politische Rechte von Prostituierten. Diese Mitteilung erschien ebenfalls in der aktuellen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau am gestrigen Dienstag. Darin übt der Verein im Namen von über 70 Prostituierten aus Fellbach/Stuttgart Kritik an der derzeitig frauen- und prostitutionsfeindlichen Politik, sowie den erneuten Motivationen zur Verbots- und Strafrechtsverschärfung im Sinne des Prostitutionsgesetzes. Die Frauen sehen sich, bei einer möglichen „Rückabwicklung des (ohnehin unzureichenden) Prostitutionsgesetzes“, in ihrer Existenz bedroht. Sie fordern politische Emanzipation und damit ihr Recht auf Selbstbestimmung. Zur Untermauerung, wie ernst ihnen ihr Anliegen ist, laden sie den badenwürttembergischen Innenminister Rech, den OB von Fellbach, Herr Palm, sowie alle anderen Interessierten ein. Es wird eine Bordellführung im Pussy Club mit anschließender Podiumsdiskussion geben. Im Klartext ist das Ziel des Vereins und der betroffenen Frauen, ein größeres Toleranzbewusstsein bei den Prostitutionsgegnern und eine verbesserte Interaktion auf politischer Ebene. Keine Entscheidung darf einfach hinter ihrem Rücken getroffen werden, was dann auch das Schlussplädoyer der Anzeige darstellt.

Kritik gab es daraufhin in der Presse genügend und wiederholend: Meist handelt es sich wohl um Frauen aus ärmlichen Verhältnissen aus Osteuropa, die mit dem Monatsverdienst ihre dort verbliebenen Familien unterstützen müssen. Vielleicht denken diese Frauen aber auch viel egoistischer und behalten einfach das Geld? Gut, es ist sicher schwierig zu verstehen, dass jemand einfach seine Familie im Stich lässt. Warum sollte eine Frau nicht selbst entscheiden, ob sie dieser Tätigkeit nachgeht. Da stellt sich die Frage, ob Prostitution immer Zwang sei. Also, gezwungen zur Prostitution, weil man nichts mehr hat, weil das Geld für den Schuss fehlt, für andere Drogen oder die Miete?! Weitere Kritik stammt sogar aus den eigenen Reihen, allerdings außerhalb des Flatrate-Bordell-Geschäfts. Marion Detlefs von der Hurenberatungsstelle Hydra e.V. sieht den Flatrate-Sex-Hype als „Folge sozialer Verelendung“, dass heißt, je weniger die Besucher in der Tasche haben, umso mehr Bordelle müssen sich der mangelnden Liquidität der Kunden beugen. Dass das nicht erst seit gestern so ist, ist wohl allgemein bekannt. Genügend zahlungskräftige Kundschaft wird es trotzdem noch geben und ansonsten gilt die allgemeine Wettbewerbsdevise. Bloß weil jemand konkurrenzfähiger geworden ist, sägt man an seinem Stuhl – und dabei sollte man vielleicht erst einmal selbst Inventur betreiben?!