Der Wunsch ist oft Vater des Gedanken – das dachten sich wohl auch die aus den Medien bekannten Politiker. Selbst an die Merkel ist es nun schon gedrungen und ob die Debatte ein vorzeitiges Ende nimmt – solange der Wahlkampf noch dauert, wohl nicht. Denn kontroverser Zündstoff ist natürlich immer erwünscht und wenn es darum geht Wähler zu gewinnen, rüttelt man auch gern mal wieder an alten Geschichten. Das ist sicherlich nur die halbe Wahrheit und da wir in einer Demokratie leben, hat auch jeder das Recht, im Prinzip auch die Pflicht, seine Meinung zu äußern. Anders sieht es dann schon diesbezüglich aus, wenn man seine Argumente nicht stützen kann – wie im guten alten Deutschunterricht durch Thesen und – ganz wichtig – Belege. Nicht, einfach nur so etwas daher zu sagen, wie ich gerade, sondern eine schöne sachliche Argumentation. Aber nun gut der Theorie. In der Praxis sieht es da doch etwas anders aus. Was passiert wohl, wenn sich aus den Medien einschlägig bekannte Politiker zum Thema „Flatrate-Sex“ äußern. Entweder nichts oder ein großer Schuh. Was ist eigentlich „Flatrate-Sex“? Wieder so ein Neologismus, der irgendeinem liberal denkenden Lager entsprungen ist? Gut, was würde man sonst mit 70 Euro anstellen?! Vielleicht eine neue Hosen kaufen oder vielleicht ein kleines Seminar namens „Discussion for Dummies“ besuchen.
Aber das steht erstmal gar nicht zur Debatte. Vielmehr finde ich es erschreckend, wie man den „Pussy Clubs“ und die Inhaberin Patricia Floreiu, einfach so abfertigen kann und sie sich sogar zu einer Gegendarstellung gezwungen sieht. Kein Wunder, wenn man sich mit Aussagen, wie „Verstoß gegen die Menschenwürde“, „Verstoß gegen das Prostitutionsgesetz“ und „Unmenschlichkeit“, konfrontieren muss. Selbst bei der Stuttgarter Anwaltschaft ist schon eine Anzeige wegen „Frauen-Ausbeutung“ eingegangen. Investigativer Journalismus fehlgeschlagen. Wahrscheinlich einfach, weil das Geschäft so gut läuft, will man hier ein bisschen Stunk verbreiten und da bietet sich es natürlich an mit Behauptungen um sich zu werfen. Aber hat sich jemand überhaupt die Mühe gemacht, sich dieses Etablissement genauer an zu sehen und, was noch viel wichtiger ist, mit den Betroffenen gesprochen. Nein, dass wäre wohl wieder unsachlich und wer weiß, ob die Damen das überhaupt könnten – und ein Dolmetscher, nein, dass bekommt dann der Steuerzahler wieder zu spüren. Sicherlich, Frau Floreiu argumentiert leidenschaftlich in ihrem offenen Brief an den Oberbürgermeister von Fellbach – dort, wo man den besagten Club findet, und in ihrer Gegendarstellung, in welcher sie nochmals versucht alle Vorwürfe und jegliche moralischen Bedenken zu dementiert. Wer sich ihre Sicht der Dinge mal genauer anschauen möchte, hier findet ihr sie. Die Resonanz von zahlreichen Usern auf der Seite ist natürlich dementsprechend groß und reicht von etliche Zeilen langen polemischen Ausführungen zur Thematik, postive Bekundungen zum Clubbesuch oder sogar Ratschlägen zu einer diskreteren werbetechnischen Vorgehensweise im konservativen Baden-Württemberg.
Und was bleibt unter’m Strich? Richtig, Aufmerksamkeit oder Publicity – und dagegen hat wohl keiner etwas.