Liebes-Hotels, oder Love Hotels für die Anglizismus-Freunde unter uns, sind nicht erst seit gestern der letzte Schrei in Japan. Aus ehemaligen Teehäusern, in denen sich Prostituierte mit ihren Freiern trafen, wurden ansehnliche Etablissements. Sie verfügen neben großen Doppelbetten, Radio, TV (selbstverständlich mit Pornokanälen) und groß angelegten Minibars, außerdem über, je nach Stimmung, regelbare Beleuchtung. Gut, dass gibt es sicher auch in anderen Hotels. Daneben sollen verspiegelte Wände und Decken, Pornobildchenautomaten, sowie Karaokeanlagen und Videospiele die Stimmung heben. Je nach Verfügbarkeit kann sich der Gast für ein Themen-Zimmer, zum Beispiel: Grotte, SM oder Hello Kitty + Bondage, entscheiden. Wer dann noch nicht genug optische Reize hat, besorgt sich hausintern ein Sexspielzeug nach Wahl oder einen schönen Pornofilm. Was kostet der ganze Spass? Ein 3-stufiges Preissystem wird angeboten, welches sich aus „Rest„, „Stay“ und „Service Time“ zusammensetzt. Bei „Rest“ kann ein Zimmer für 1-1,5 h (Kansairegion) bzw. 2-3 h gemietet werden. Wer sich für „Stay“ entscheidet, kommt meist spät und bleibt dann über Nacht – kostet aber nicht mehr als eine gewöhnliche Hotel-Pauschale. Letztere Option verbleibt dann für die, die es noch ruhiger mögen, wenn nicht so viel los ist. Die Bezahlung erfolgt anonym und vollautomatisch. Hier kann dann die Schnäppchenjagd beginnen. Der Andrang ist groß. Längst schon sind die Hotels ein wichtiger Bestandteil des Soziallebens geworden. In den überbevölkerten städtischen Räumen rund um Tokio ist es schwer, Ruhe zu finden oder einfach nur ein wenig Zweisamkeit mit dem Partner.

shibuya
Quelle: sakana atama/PIXELIO

Zahlen belegen den Boom der Branche. Man schätzt, dass das Kapitalvolumen bei 40 Mrd. US-$ pro Jahr liegt. Alleine das Bonita Hotel in Isawa hat letztes Jahr 257 % Umsatz eingefahren. Eine interessante Abwechslung zu herkömmlichen Hotels oder Motels, wie sie standardmäßig in Deutschland oder dem Rest der Welt angeboten werden und eventuell eine Investition wert sind!
Ganz verschwiegen werden, darf natürlich auch hier die Korruption nicht. Die „Cosmic Truth Society„, welche 23 Liebeshotels und -Motels führt, wurde u.a. angeklagt, 1,4 Mrd. Yen (ca. 14 Mio €) aus Einkünften von 7 Jahre als Spenden angegeben zu haben, um diese dann steuerfrei nach japanischem Gesetz absetzen zu können. Ein weiteres Problem stellt sicher auch die fehlende Indentifizierung beim Einchecken dar – Nährboden für illegale Prostitution und Gewalt gegen Frauen. Wie hoch die Dunkelziffern sind, ist allerdings unbekannt.