Und schon wieder geht es um Prostitution! Nein, es hat sich nicht etwa Saudi-Arabien spontan über Nacht entschieden, das „horizontale“ Gewerbe zu legalisieren oder das nun doch die Damen von der Insel eine größere WG aufmachen können. Beim Recherchieren bin ich mal wieder auf das „alte Leid“ gestoßen – die Wirtsschaftskrise – wie sie nun auch mehr und mehr nicht nur der Erotik-Industrie, sondern freilich auch den Bordellen und der Straßen- und Wohnungsprostitution die Schlinge um den Hals legt. Wie wir schon in vorausgegangen Artikeln berichtet haben, vermelden viele Hersteller Umsatz- einbußen, rückläufige Kundschaft und Interessenverlagerung. Diesen Tonus kennt man ja bereits von anderen Wirtschaftszweige. Ein Schreckgespinnst zum Fürchten?!
Der Tagesspiegel sieht das alles etwas anders. Von wegen Umsatzeinbußen, 14,5 Mrd. € pro Jahr werden hier verdient. 200-300 Euro pro Stunde je nach Dienstleistung ist in den zahlreichen Edel-Clubs und -Studios keine Seltenheit. 40 Prozent gehen davon an die Inhaber, der Rest an ihre Mädchen. Dann kommt der Clou. Das Geld kommt bar und kann damit praktisch leicht steuerfrei abgesetzt werden. Zudem gibt es eine Steuerpauschale von 10 bis 25 Euro pro Werktag. Klingt doch gar nicht so schlecht, oder?! Besonders, wenn man bedenkt, dass Bordellbesitzer längst schon zu Immobilieninvestoren mutiert sind und wissen, wo sie sicher anlegen müssen. Also alles eine große Lüge von einbrechender Wirtschaftskraft eines legalen Wirtschaftszweiges, der lange schon fest in die freie Marktwirtschaft integriert ist. Sich dieser rethorischen Frage bewusst, schildert Die Zeit in einem recht umfangreichen Artikel doch ein ganz anderes Bild. 10 %, wenn nicht 30 % weniger Umsatz, Mobbing, Einwanderung osteuropäischer Frauen, Armutsprostitution, Gewalt- und Konkurrenzzunahme. Schlagwort über Schlagwort. Was bleibt am Schluss? Eine Sexflatrate für 70 €: Sex, Essen und Trinken – all you can – oder für 25 dreißig Minuten Filmchen mit Kaffee und Oralverkehr genießen. Wer die Wahl hat, hat die Qual.