Eine düstere Vorstellung! Was wäre die Welt wohl ohne Sex? Bedeutungslos, mit Sicherheit, denn die schönste Nebensache der Welt gehört zum Leben einfach dazu, wie die Luft zum Atmen. Dennoch gibt es Lebewesen unter uns, die das Ganze etwas anders sehen oder zumindest es anders leben. Sie verzichten ganz und gar auf die Kopulation, denn sie müssen nur eines tun – sich Klonen. Die Rede ist von der Ameisenart „Mycocepurus Smithii“, die im Amazonasgebiet lebt und ausschließlich aus genetisch identischen Weibchen besteht, indem sich die Ameisen- Königinnen selbst „kopieren“ durch sogenannte Parthogenese oder Jungfernzeugung. Forscher, angeführt von der Biologin Anna Himler (Uni Arizona), wiesen die ungewöhnliche Fortpflanzung durch sogenannte „Fingerabdruck-DNA-Methode“ nach. Der Ameisenstaat bestand demnach volllkommen aus Klonen der Königin. Auch können sich die einzelnen Ameisenweibchen gar nicht fortpflanzen, da ein wichtiger Bestandteil ihres Fortpflanzungsorgans, das „Muschelorgan“, zurückgebildet ist. Diese Form der Fortpflanzung sei in so fern ungewöhnlich, laut Himler, dass es in der Natur zwar die häufig vertretende asexuelle Reproduktion bei Männchen gäbe, aber sie äußerst selten bei Weibchen einer Spezies sei. Hierzu sind allerdings weitere genetische Experimente erforderlich, um die Evolution dieser Art gänzlich nach zu vollziehen.

mycocepurus_smithii_plate

Wikipedia/W.M. Wheeler (1907)

Was bringt den überwiegend in Mittel- bis Südamerika beheimateten Ameisen nun dieses sehr spezielle Verhalten? Der Biologin zufolge müssen die Ameisen-Königinnen viel weniger Energie auf die weiblichen Nachkommen aufwenden, als auf die zusätzliche Zeugung männlicher. Dabei verdoppelt sich der Prozentsatz fortpflanzungsfähiger Weibchen von 50 auf 100 %. Der ganze Staat ist somit resistenter gegenüber Parasiten und Krankheiten. Der größte Vorteil für die Ameisen liegt aber sicherlich darin, dass sie eine enge Symbiose mit einem ebenso asexuell lebenden Pilzgarten eingehen.

Bereits seit circa 80 Mio. Jahren kultivieren die Krabbler diese Lebensgemeinschaft. Alles beginnt, indem die Gründer-Königinnen einen circa 4 cm tiefen Tunnel ausheben und so die Hauptkammer schaffen. Dann tritt die flügellose Königin auf den Plan, welche die zuvor von den Gründer-Königinnen abgeworfenen Flügel in die Hauptkammer trägt. Dort fügt sie diese in die Kammerdecke ein, wo die Oberfläche der Flügel als Plattform für den beginnenden Pilzanbau genutzt werden. Im weiteren Verlauf sammeln sie Pflanzenmaterial, Insektenkot und tote Insekten als Düngemittel für den Pilz. Dieser liefert ihnen im Gegenzug nahrhafte, lebensnotwendige Eiweiße. Eine ähnliche intensive Lebensbeziehung hat man bereit bei Blattschneiderameisen beobachtet, nur sind diese Vertreter ihrer Art weniger produktiv in der Pilzzucht.