Dresden: Woran erkennt man eigentlich ein Bordell? Rote Vorhänge oder Lichter, die ein meist unscheinbares, vielleicht mehrstöckiges Haus zieren. Hin und wieder treten ein paar geduckt gehende Männer heraus oder man sieht den ein oder anderen langhaarigen Schatten am Fenster vorbei huschen. Eigentlich offensichtlich, um was für ein Etablissement es sich handelt, oder nicht?! So auch in der an der Elbe gelegenen Hauptstadt von Sachsen. Von wegen! Der Besitzer des Hauses, namentlich eine Gaststätte, Manfred Kessler, beteuert, dass es sich nicht um ein Bordell handelt. „Ins Erdgeschoss kommt eine Gaststätte“, sagt er. „Mit Raucher-Lounge und Ledersesseln. Geöffnet von 11 bis 5 Uhr. Aber ein Puff wird es nicht“. (BILD) Auch die Bauaufsicht bestätigt, dass hier kein Bordell gebaut wird. Vermietet werden insgesamt 12 Zimmer, egal an wen. Auch wenn es Prostituierte sein sollten, welche die Zimmer mit Doppelbett in Anspruch nehmen würden. Denn laut Kessler sei Wohnungsprostitution ja nicht verboten und selbstverständlich dürfen die leichten Mädchen auch in die Räumlichkeiten der Gaststätte. So kann man das Ganz natürlich auch tarnen. Hier gibt es erst etwas zu essen und dann wird der heiße Nachtisch (auf den Zimmern) serviert. Ein paar hundert Kilometer weiter Richtung Nordwesten ist schon das Gleiche passiert: In der Lessingstraße in Bremerhaven werden immer mehr Mehrfamilienhäuser von Zuhältern aufgekauft und als Privatbordell genutzt. Von Außen unscheinbar und als solche nicht erkennbar. Tendenz steigend.

schatten_an_der_wand_p1010002_1Das interessante an dieser Entwicklung ist, dass hier, nicht wie es zum Beispiel in den Niederlanden erfolgt ist, durch die Politik das Rotlichtmilieu in seiner Ausweitung zu bremsen. Denn ganz im Gegensatz ist Prostitution per Gesetz seit 2002 nicht mehr sitten- widrig und wenn dann noch die leichten Mädchen „nur“ als Untermieterin in die Privathäuser einziehen, stehen der Polizei kaum noch Kontroll- möglichkeiten offen. Dabei geht es den Beamten vor allem darum, die seit der EU-Erweiterung meist aus Bulgarien stammenden Prostituierten vor Verschleppung und Misshandlung zu schützen.

©bbroianigo/PIXELIO

Als erste Maßnahmen der Bremerhavener Polizei sind mehrsprachige Infoblätter geplant. Als Vorbild dient dabei das sogenannte „Dortmunder Modell“, d.h. das „getarnte“ Bordell, die Betreiber und Mitarbeiter müssen als Gewerbe bzw. Gewerbetreibende angemeldet sein müssen. Daraus resultieren gleichzeitig mehr Rechte für die Frauen und damit ein verbessertes Selbstbewusstsein.