Interaktion ist doch etwas Schönes. Gerade habt ihr etwas über die
(außer)gewöhnlichen Fantasien von einem fleißigen Bordellbesucher
gelesen und schon im nächsten Atemzug wird euch die harte Realität
der Sex-Industrie aufgezeigt.
Denn, was passiert, wenn alle Stricke reißen oder besser gesagt abge-
schnitten werden, zeigte sich letzte Woche in einer durch den
Amsterdamer Finanzstadtrat Asscher angestoßenen Kontroverse.

Betroffen sind vor allem das Rotlichtviertel in der schönen Altstadt
mit den zahlreichen „Hurenfenstern“ und Coffee-Shops.
Aus angeblich moralischen Bedenken lassen viele niederländische
Banken keine Kontenneueröffnungen mehr zu, sollen sogar
bestehende Konten gekündigt und Kredite eingefroren haben.
Empörung rief diese Entwicklung bei einer großen Interessen-
vertretung von Rotlichtunternehmen der ERB („Vereinigung der
Betreiber von Entspannungsbetrieben“) hervor.

In diesem Sinne wurde durch Asscher die Gründung einer Spezialbank
nur für die Erotik-Betriebe angeregt, welche Kredite an zahlungsfähige
Unternehmen gewähren soll.
Eigentliche Hintergründe im Umdenken der staatlichen Banken und
der Stadt Amsterdam sind die Bekämpfung der gestiegenen Kriminalität,
vor allem Geldwäscherei und Frauenhandel, in den Coffee-Shops und
den kleineren Bordellen. Ziel des Ganzen ist vornehmlich eine bessere
finanziellere und behördliche Kontrolle des Rotlichtgewerbes.
Außerdem plant der Amsterdamer Stadrat eine Verkleinerung des Rot-
lichtviertels, um die Altstadt überschaulicher und attraktiver für den
Tourismus zu gestalten, zum Beispiel durch die Nutzung freiwerdender
Häuser für exzellente Kultur- und Gastronomieeinrichtungen.

Im Gegensatz zu den Erotik-Betrieben in den USA und Deutschland, die
um staatliche finanzielle Unterstützung bitten, wird hier in den
Niederlanden ein alternatives Modell einer „Sex-Bank“ vorgeschlagen.
Fragt sich nur, ob das Ganze auch fruchten wird und in wie weit dieses
Modell auch auf den amerikanischen bzw. deutschen Markt übertragbar
ist.
Der Konkurrenzdruck sollte also noch größer werden, wenn sich einzelne
Banken dazu entschließen sollten, nur mit erfolgreichen Firmen zu
koorperien.