Karlsruhe, 19:21 – Warten auf die 5, und das in der Kälte.
Ein kühner Blick Richtung Anzeigetafel – immer noch 19:23, wann kommt
endlich diese verdammte Bahn. In der Vorstellung male ich mir aus, wie
groß wohl diese Ver anstaltung sein wird. Irgendwie habe ich noch keine
Erwartungen, warum auch, bei dem Preis.
20 Euro mit Gutschein – von wegen.

Irgendwo hält dann die Bahn, dort, wo es auch mal eine Einführungsfeier
von der Uni gab. Langsam trotten wir über den Asphalt, interessanter-
weise gehen auf einmal alle drei in unterschiedliche Richtungen.
Also, keiner hatte ’ne Ahnung, wo das Ganze eigentlich stattfinden soll?!
Ich bin schon etwas aufgeregt, immerhin ist das mein erster Besuch.
Das einzige Sexspielzeug, was ich mal in der Hand hatte, nun ja …..
Was die anderen denken interessiert mich erst einmal gar nicht.

Das Genuschel der Frau hinter der Glasscheibe, die von einem Vorhang
umrahmt war, habe ich nicht verstanden – bin trotzdem für 20 Euro
reingekommen. Wie sie sehen, sehen sie nichts!
Außer hohen Weißen Wänden und einem roten Teppich, was alles
irgendwie so gar nicht zu dem Event passte. Poster mit dem Lockruf
„Live-Show“ und ein leichtes Stimmen-Rauschen vor uns. Wenn man
es nicht besser gewusst hätte: Hier befindet sich ein kleiner Flohmarkt
in einer mittelgroßen Halle, wo sich ein paar ausgewählte Menschlein
treffen, um ihren komischen Krempel zu verkaufen.
Das, was da in Hüfthöhe auf langen Tischbahnen lag, hatte schon etwas
Exotisches. Schmetterlinge, Schnecken oder irgendwelche andere nicht
identifizierbare Flugobjekte, die auf länglichen wurstartigen rotierenden
Phallen lustig schwirrten und einen gerade dazu einluden mit ihnen zu
spielen.
Es musste natürlich so enden, dass wir alle halbe Meter lang, all jene
Sachen uns schnappten und dessen Funktionen durchtesten mussten.
Immerhin ging es ja hier auch darum, Eindrücke zu sammeln, um sie
euch später zu präsentieren – und ein bisschen Spass muss ja sein, der
allerdings beim Preis schon wieder aufhörte:
zwischen 15 und ca. 90 € konnte man sein (intimes) Privatleben mit
diesen illustren Liebeskanonen und -kugeln bereichern.
Ich weiß nicht mehr, wie oft mir eigentlich an allen Ständen vorbeige-
huscht sind, mal länger, mal kürzer verweilend, oft Interesse geradezu
heuchelnd oder ein abschätziges Lächeln gegenüber Lack und Leder
oder der schier endlosen Zahl an DVD’s und Magazinen. Irgendwie
hatte man immer das Gefühl, gleich springt einer der ganz in Schwarz
gekleideten Männchen auf einen zu und klatscht einem ein Schmuddel-
heftchen ins Gesicht. Einen Lichtblick gab es links hinten in der Halle,
von dort kam auch die meiste Musik und aus irgendeinem Grund
tummelten sich dort der Großteil der anwesenden Besucher…
(Fortsetzung folgt)